11 Februar 2006

Das Haustierprojekt


Wir haben ja ein Haustier. Einen kleinen Ungarn, vielleicht 10 Jahre alt, vielleicht auch älter oder aber jünger, so genau kann das niemand sagen. Fuzzy, unser Jack-Russel-Mischling, lebt nun seit 2 Jahren bei uns. Er ist ein Monster und wir können nur froh sein, dass er so winzig ist, sonst hätte es mit ihm sicher schon ein tragisches Ende genommen.

(Er ist ja schon fast blind, bzw. die grünen Augen zeigen, dass er eigentlich ein Alien ist.)

Aber eigentlich steht mein Sinn schon lange nach einem anderen Haustier: ich hätte unheimlich gerne wieder einen deutschen Schäferhund, aber leider spielt da der Herr des Hauses nicht mit. Eine gute Alternative wäre ein Papagei gewesen: ein Ara oder Kakadu, aber leider haben diese Vögel die unangenehme Eigenschaft, dass ich noch meine Enkel mit der Pflege beauftragen müsste. Und diese wiederum haben die schlechte Eigenschaft, dass sie noch nicht einmal geplant sind. Daher wird es schwierig werden diese Übernahme zu organisieren.

Nun hat Tochtereins den Wunsch geäußert, dass sie gerne eine Ratte hätte, eine ganz junge, zahme nicht weiße, ein Männchen namens Raffzahn.
Ursprünglich wollte sie sich diese zu ihrem 10. Geburtstag wünschen, ist aber auf die gute Idee gekommen, diesen Wunsch auf den diesjährigen Geburtstag vorzuverlegen.

Gut so! Ihr Vater hat sein Einverständnis gegeben, daher steht unserem neuen Heimtierprojekt nichts mehr im Wege. Der erste Schritt ist bereits getan: ich habe einige Websites durchforstet und weiß nun, dass wir mindestens zwei Ratten brauchen: was ja eigentlich logisch ist, sie sind ja Rudeltiere.

Ein zweiter Schritt, der ganz wichtig ist, ist das Festlegen der songenannten "Ratzfatz-Regeln", die vor allem die Kombination Ratten-Fremdkinder betrifft.
Ich freu mich schon so tierisch auf die Nasen, die bald hier Einzug halten werden.

10 Januar 2006

Schlamassel auf der Scheibenwelt - Pyramiden - Terry Pratchett

Leseprobe - Seite 261 ff:
"Bevor du mich passieren kannst, o Sterblicher", verkündete sie, "mußt du mein Rätsel lösen."
"Warum?" erkundigte sich Teppic.
"Was?" Die Sphinx zwinkerte erneut. Auf eine derartige Reaktion war sie nicht vorbereitet.
"Warum? Warum? Weil. Äh. Weil .... Warte einen Augenblick. Ic hglaube, weil ich dir sonst den Kopf abbeiße. Ja, ich bin ziemlich sicher."
"Na schön", sagte Teppic. "Ich höre."
Die Sphinx räusperte sich. Es klang wie ein leerer Lastwagen, der im Steinbruch zurücksetzte.
"Was geht morgens auf vier Beinen, mittags auf zwei und abends auf drei?" fragte die Sphinx selbstgefällig.
Teppic überlegte.
"Ds ist ein ziemlich schwieriges Rätsel, sagte er nach einer Weile.
"Ds schwierigste überhaupt", bestätigte die Sphinx.
"Hm."
"Du kannst bestimmt nicht die richtige Antwort geben."
"Tja ...," murmelte Teppic.
"Würdest du bitte die Kleidung ablegen, während du nachdenkst? Einige Stoffetzen bleiben immer zwischen meinen Zähnen hängen."
"Gibt es ein Tier, dem die Beine nachwachen, nachdem man es ...."
"Da liegst du völlig falsch", sagte die Sphinx und fuhr ihre Krallen aus.
"Du hast nicht die geringste Ahnung, oder?"
"Ich überlege noch immer", entgegnete Teppic.
"Das Rätsel bleibt dir ein Rätsel, nicht wahr?"
"Ich fürchte ja." Teppic beobachtete die Klauen. Diese Tier ist bestimmt nicht annhärend so gefährlich, wie es den Anschein haben mag, dachte er. Die Natur hat es viel zu üppig ausgestattet. Außerdem: Die Brust stellt sicher eine Behinderung dar, vom Gehrin ganz zu schweigen.
"Die Antwort lautet: 'Ein Mensch'", sagte die Sphinx. "Und jetzt ... Bitte leiste keinen Widerstand. Wenn Sterbliche wie du zu kämpfen versuchen, gelangen bittere Chemikalien in ihr Blut."
Teppic wich zurück und entging einer Klauenpranke. "He, nicht so hastig!" brachte er hervor. "Was soll das heißen: ein Mensch?"
"Ganz einfach", erwiderte die Sphinx. "Ein Baby krabbelt am Morgen auf allen vieren. Mittags steht es auf, und gegen Abend wird es zu einem alten Mann, der sich auf einen Stock stützt. Na, ist der Groschen gefallen?"
Teppic biß sich auf die Lippe. "Das alles passiert nur an einem Tag?" fragte er skeptisch.
Ein langes verlegenes Schweigen folgte.
"Es ist ein Dingsbums, eine Metapher", gab die Sphinx verärgert zurück und streckte erneut die Pranke aus.
"Nein, nein, warte!" beschwichtigte Teppic. "Ich möchte, daß wir diesen Punkt klären. Ist doch nur fair, oder?"
"An dem Rätsel gibt's nichts auszusetzen", stellte die Sphinx fest. "Es ist ein verdammt gutes Rätsel. Sei fünfzig Jahren verwirre ich Reisende damit zu Tode. Ja, sie zerbrechen sich den Kopf, denken noch in meinem Magen darüber nach."
"Oh, ich möchte die Qualität des Rätsels keineswegs in Frage stellen", versicherte Teppic. "Es ist tiefsinnig und symbolisch. Das ganze menschliche Leben, mit wenigen Worten zum Ausdruck gebracht. Aber du mußt zugeben, daß so etwas nicht an einem einzigen Tag geschehen kann, oder?"
"Nun, mag sein", erwiderte die Sphinx unsicher. "Aber das geht bereits aus dem Kontext hervor. Jedes gute Rätsel enthält Elemente dramatischer Analogie", fügte sie hinzu. Sie schien diesen Satz vor langer Zeit gehört zu haben, doch Teppic bezweifelte, ob sie den Autor begnadigt hatte.
"Ja", sagte er, setzte sich und strich einige Knochen beiseite. "Aber zeichnet sich die Metapher nicht durch innere Logik aus? Nehmen wir einmal an, die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt siebzieg Jahre, in Ordnung?"
"Meinetwegen", brummte die Sphinx im Tonfall einer Hausfrau, die gerade den Verkäufer hereingelassen hat und überlegt, wie sie dem heimkehrenden Ehemann am Abend auf einen neuen Staubsauger und die entsprechende Rechnung vorbereiten soll.
"Na schön. Gut, Der Mittag des metaphorischen Tages wäre also mit einem Alter von fünfundreißig Jahren gleichzusetzen, stimmt's? Nun, die meisten Kinder stehen bereits nach zwölf Monaten auf, und daher erscheint die Bezugnahme auf vier Beine nicht besonders angemessen, oder? Ich meine, der größte Teil des Morgens wird auf zwei Beinen verbracht. Wenn man dein Beispiel als Grundlage nimmt .... " Teppic zögerte, griff nach einem Oberschenkelknochen und schrieb Zahlen in den Sand. "Nach null Uhr dauert es zwahnzig Minuten, höchstens eine halbe Stunde, bevor das vierbeinige Baby - obwohl nicht unerwähnt bleiben soll, daß hier zwei Arme im Spiel sind - zu einem zweibeinigen Kleinkind wird. Na, habe ich recht? Sei fair."
"Nun ....", kommentierte die Sphinx.
"Und wenn wir den gleichen zeitlichen Maßstab anlegen: Einen Stock benutzt man wohl kaum um sechs Uhr, denn zu jenem Zeitpunkt beläuft sich das Alter erst auf zweiundfünfzig Jahre."
Teppic rechnete higebungsvoll. "Ich glaube, nach einer Gehhilfe hielte mn erst gegen halb neune Ausschau. Wobei wir natürlcih von der ANnahme ausgehen, die ganze Lebensspanne eines Menschen beschränke sich nur auf einen Tag, was ich, ehrlich gesagt, für absurd halte. Tut mir leid. Im Prinzip ist mit dem Rätsel alles in ORdnung; unglücklicherweise steht es in keiner Verbindung mit der Wirklichkeit."
"Nun", wiederholte die Sphinx, und diesmal klang es enttäuscht, "es läßt sich nicht ändern. Ich habe kein anderes Rätsel und muß damit vorliebnehmen."
"Vielleicht solltest du es ein wenig ändern."
"Wie meinst du das?"
"Sorg dafür, daß es ein wenig realistischer wird".
"Hmmm". Die Sphinx hob eine Klaue und kratzte sich an ihrer Mähne.
"Vielleicht hast du recht", sagte sie. Es klang nicht sehr überzeugt. "Ich könnte fragen: Was geht auf vier Beinen ..."
"Im übertragenen Sinne", warf Teppic ein.
"Was geht, im übertragenen Sinne auf vier Beinen, und zwar ...."
"Etwas zwanzig Minuten lang. Darauf haben wir uns doch geeinigt, nicht wahr?"
"Ja, ja. Was geht,
im übertragenen Sinne auf vier Beinen, und zwar zwanzig Minuten lang am Morgen ..."
"Nun, es erscheint mir ein wenig übertrieben, vom 'Morgen' zu sprechen", sagre Teppic. "Immerhin ist es erst kurz nach Mitternacht. Oh, sicher, definitionsgemäß handelt es sich um den Morgen, aber die Umgangssprache ordnet jene Phase der vergangenen Nacht zu. Was meinst du?"
Ein Schatten von Panik huschte durch das steineren Gesicht der Sphinx.

02 Januar 2006

Hintergrund zu "Die Welle"

Das Experiment "The Third Wave" wurde von Ron Jones 1967 in der amerikanischen Cubberley High School in Palo Alto/Kalifornien durchgeführt.
1972 hat er in einem kurzen Artikel seine Erfahrungen dieses Versuchs niedergeschrieben:
Während des Geschichteunterrichts, als die Klasse das Nazi-Deutschland besprachen, wurde er gefragt: Wie kann es geschehen, dass das deutsche Volk zusgesehen hat und geholfen hat, das jüdische Volk so grausam abzuschlachten. Wie konnte es geschehen, dass so viel behaupteten, nichts von Konzentrationslagern zu wissen. Warum haben so viele behauptet, sie wären nicht da gewesen, als jüdische Nachbarn und Freunde verschwanden.
Daraufhin überlegte er sich für eine Stunde, wie er den Schülern das "Gefühl" das in Deutschland während des zweiten Weltkriegs herrschte, näher zu bringen.
Das Buch die Welle folgt dann recht genau dem Bericht von Ron Jones. Im Buch nicht erwähnt ist, dass er am dritten Tag, seine Schüler fragte, ob sie weitermachen wollten. - Alle wollten, daraufhin verteilte er an alle 43 Schüler Kärtchen, von denen drei mit einem X markiert waren, diese drei sollten die Aufgabe übernehmen, jene, die sich nicht an die Regeln halten würden, zu melden.
Es war zu dieser Zeit, dass er von den Schülern gefragt wurde:
"Mr. Jones, for the first time I'm learning lots of things." "Mr. Jones, why don't you teach like this all the time." Das schockierte Jones, und er hatte das Gefühl, dass die Schüler alles tun würden, was er von ihnen verlangte. Er beschloss, es zu versuchen. Er gab ihnen die Aufaben: ein Banner zu designen, die Liste aller Wellen-Mitgliedern auswendig zu lernen, jeder sollte den Namen eines Freundes aufschreiben, der auch Interesse haben könnte, ein Mitglied zu werden. Neues Mitglied könne nur werden, wer die Regeln der dritten Welle beherrschte und schwor, sich an diese zu halten. Am Ende des Tages hatte die Welle 200 Mitglieder. Obwohl nur 3 Schüler, die Aufgabe als "Kontrolleur" zu fungieren, waren es bald 20 Schüler, die meldeten, wenn ein anderer nicht mit dem Wellen-Gruß grüßte, ein anderer kritisch über die Welle sprach.
Eigentlich wollte er das Experiment am 4. Tag beenden, weil er wirklich schockiert über die ereignisse und die eigendynamik war. Das Problem jedoch war, dass er es nicht abrupt beenden konnte, da viele Schüler sich wirklich hineingesteigert hatten und er sich nicht vorstellen konnte, dass es klappen würde, sie von heute auf morgen wieder zu normalen Schülern werden zu lassen.
Nachdem die Dinge langsam ausser Kontrolle gerieten, bestand auch nicht die Möglichkeit, das Experiment einfach weiter laufen zu lassen: Am Vorabend war jemand in sein Büro eingebrochen und hatte es durchwühlt, später stellte sich heraus, dass es ein Vater war, der selber in einem deutschen Kriegsgefangenenlager war.
Die Geschichtsstunde hatte mitlerweile über 80 Schüler, einige schwänzten dafür andere Fächer, in der Klasse hatten nur deswegen alle Platz, weil sie wie gelernt, diszipliniert saßen.
Zu diesem Zeitpunkt erkannte er, dass etwas getan werden muss: er klärte den Schülern, dass "die dritte Welle" ein nationales Programm sei, um Studenten zu finden, die für eine politische Änderung im Land kämpfen würden. Im ganzen Land verteilt gäbe es Lehrer wie ihn, die eine Jugendbrigade ausbildeten um der ganzen Nation eine bessere Gesellschaft durch "Disziplin, Gemeinschaft, Stolz und Handeln" vorzuführen. Dadurch könne die Richtung der ganzen Nation geändert werden! Am nächsten Tag soll eine Versammlung nur für Welle-Mitglieder statt finden.
Am nächsten Tag, als der Saal voll war, ließ er die Türen schließen und von einigen Welle-Mitgliedern bewachen. Noch bevor die Pressekonferenz beginnen sollte, ließ er die Schüler "exerzieren". Anschließend schaltete Jones den Fernseher ein, aber es war nur das schwarz, weiße Flimmern zu sehen. Es dauerte mehr als zwei Minuten, bis endlich einer der Schüler reagierte!:
"There isn't any leader is there?" Viele waren geschockt, ihre Gesichter drückten Unglauben aus.
Dann erklärte er ihnen, dass es keinen Führer gibt, dass sie benutzt und manipuliert wurden. Erst dann zeigte er einen Film über die Nürnberger Reichsparteitag. Der Film endete mit den Worten:
"Everyone must accept the blame No one can claim that they didn't in some way take part."
Nach dem Film blieb alles ruhig, keiner bewegte sich. Und in die Stille hinein begann Jones mit seinen Erklärungen.

Nach diesem Experiment wurde Jones entlassen.


Quelle: http://www.vaniercollege.qc.ca/Auxiliary/Psychology/Frank/Thirdwave.html

Morton Rhue - Die Welle

Diese Erzählung beruht auf einem "Experiment", das der Geschichtslehrer Ron Jones 1967 in einer Highschool durchführte.
Diese Geschichte spielt 1980 in einer amerikanischen Highschool. Während im Geschichtsunterricht die NS-Zeit in Deutschland durchgemacht wurde, stellte ein Schüler die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass so viele Menschen ein fach "zuschauten", nichts wussten, nicht rechtzeitig flohen. Ein Schüler meinte, dass dies heute nicht mehr passieren könnte.
Als die Schüler am nächsten Tag die Klasse betreten, steht an der Tafel: "Macht durch Disziplin". Er erklärt den Schülern, was es bedeutet und sagt ihnen, daß sie ab nun bei jeder Frage oder Antwort Mister Ross zu sagen und stramm zu stehen haben.
Die Schüler merken, daß man so mehr Erfolg erzielt und finden daran Gefallen. Mr. Ross schreibt zum vorhandenen Grundsatz noch zwei weitere auf die Tafel: "Macht durch Gemeinschaft" und "Macht durch Handeln". Am nächsten Tag bekam das Experiment einen Namen: Die Welle, ein bestimmter Gruß wird eingeführt, an dem sich die Mitglieder der Welle gegenseitig erkennen. Bald schlossen sich auch Schüler aus anderen Klassen dieser Bewegung an. Das ganze Experiment bekam eine Eigendynamik mit der selbst der Lehrer, der selbst im Erfolg des Unternehmens gefangen war, nicht gerechnet hatte. Erst als ein Schüler, ein Außenseiter, zusammengeschlagen wurde, und auf zureden seiner Frau, erkennt Ben Ross, dass das Experiment ein Ende haben muss. Er beruft für den nächsten Tag eine Versammlung für alle Mitglieder der Welle ein, indem er erklärt, dass die Welle auch auf andere Schulen ausgedehnt werden soll.
Als der Saal voll ist und alle schweigen, schaltet Mr. Ross die Fernseher ein, doch es ist nur ein Flimmern zu sehen. Als einer fragt, wo denn ihr Führer sei, geht der Vorhang auf, eine riesige Leinwand erscheint und man sieht Adolf Hitler sprechen. Mr. Ross sagt ihnen, daß das ihr Führer sei und sie genauso Faschisten sind wie es die Leute früher waren.
Alle gehen bestürzt aus dem Saal und somit ist die Welle aufgelöst.

31 Dezember 2005

Tess Gerritsen - die Chirurgin

In Boston geht ein Frauenmörder um: er sucht sich Frauen, die schon einmal Opfer einer Gewalttat waren, überfällt sie und entfernt ihnen bei lebendigen Leib den Uterus.
Die einzige Spur führt
Mordkommissar Thomas Moore zu Catherine Cordell, sie selbst ist Chirurgin. Vor zwei Jahren war sie selber Opfer eines Serienmörders: jedoch gelingt es ihr den Angreifer zu erschießen, die Erinnerung daran wird sie aber nicht mehr los.
Die neue Mordserie sieht der vor zwei Jahren jedoch verblüffend ähnlich. Und so wie es aussieht, ist sie als neues Opfer des Serienmörders auserwählt.

Michael Curtin - Der Club der Weihnachtshasser

Das Buch spielt in England und teilweise in Irland während der 80er: die Zeit ist geprägt durch Arbeitslosigkeit. So findet sich im Pub "The King's Arms" eine illustre Runde zum Kartenspiel: es ist eine seltsame Gruppe: Percy Bateman, irischer Außenseiter und Herumtreiber, der in seiner Jugend ein spektakuläres Desaster auf dem Rugby-Feld zu verantworten hatte; Kenneth Foster, ein Buchhalter, der sich gern in Frauenkleider hüllt; Arthur Ellis, ehemals Londoner Gebietsleiter der NatWest Bank, der die Welt davon überzeugen will, sich Linoleumböden anzuschaffen und der zu diesem Zweck immer ein Stück dieses nicht gerade populären Materials mit sich herumträgt; Ernie Gosling, Hilfskellner im The King's Arms, der nie so recht weiß, ob er eher für sich oder seine Frau den Totoschein ausfüllt; und Diana Hayhurst, die Schulterpolster tragende Herausgeberin von Unipolitan, der Zeitschrift für die moderne Frau.

Sie haben zwei Dinge gemeinsam: sie lieben das Solospiel und sie hassen Weihnachten. So ergibt das eine das andere und sie reisen alle - auf getrennten Wegen - nach Irland um ein Symbol gegen Weihnachten zu setzen.

24 Dezember 2005

24. Dezember

Heute ist es wieder soweit! Heute ist der Tag des Jahres, der von Millionen von Kindern und Erwachsenen heiß erwartet wurde. Damit unterscheidet sich dieser Tag auch nicht von den vorangegangenen Jahren. Heute ist Weihnachten! Der Tag des Wahnsinns, der Tag des Streits, der Tag des Konsumirrsinns, der Tag der erhöhten Selbstmordrate.
Kinder lieben diesen Tag: es gibt Geschenke, Kerzen und Sternspritzer geben dem Fest etwas Geheimnisvolles, etwas Unwiderstehliches.
Ein Fest für Kinder! Das Fest des Schlachtens von liebevoll verpackten Geschenkpaketen. Tausende Pakete sorgen dafür, dass der Müllberg wieder steigt: Plastik und und buntes Papier mit kitschigen Weihnachtsmotiven zieren die Müllhalden.
Leise Kinderstimmen singen "Stille Nacht, Heilige Nacht". Alles ist so besinnlicht, da stört es niemanden, dass diese Stimmchen kaum einen Ton richtig treffen.
Ein Fest für Kinder, dieser Tag des Jahres! Ja, vor allem für junge Kinder, die noch an das Märchen vom lieben Christkind glauben, die nicht wissen, wieivel Millionen in den unterschiedlichsten Währungen für dieses Fest zum Fenster hinaus geworfen werden.
Aber was bringt dieses Fest Erwachsenen? Warum führen sie sich auf, als würden sie auch noch an den Zauber des Christkinds glauben? Dieses Fest kostet Geld, mit Millionen anderen weihnachtseinkaufswütigen Menschen quält man sich durch Kaufhäuser, von Geschäft zu Geschäft, um Zeug zu kaufen, was andere nicht brauchen. Jeder streßt nur herum , die Laune sinkt überall bis zum Gefrierpunkt. Angeheizt wird die Stimmung nur durch quäkende Lautsprechermusik und grellen, blendenden Sternenlichtern in den Straßen.
Warum haben so viele das Bedürfnis vor diesem Fest Kekse zu backen, eine Weihnachtsgans zu braten, einen Weihnachtsputz zu veranstalten, die Familie um sich zu scharen, ausgeklügelte Speisen zu servieren und sich bei all diesen Aktivitäten von schrecklich piepsigen Weihnachtsliedern begleiten zu lassen? Ein weiteres Bedürfnis vor Weihnachten ist es, noch alles, was auch immer das für den einzelnen ist, zu einem Abschluss zu bringen. Das erhöht den Streßfaktor und bringt die Laune weiter zum Sinken.
Man spürt überall die Hektit, Eile, Unruhe und Unrast und gleichzeitig ein zwanghaftes Bedürfnis nach Friede, Ruhe und Besinnlichkeit.
Und genau dies alles macht dieses Fest unerträglich und mit den Jahren wird der Wunsch abzuhauen, diesen Wahnsinnt hinter mir zu lassen, immer größer. Aber ich muss mich gedulden, noch Jahre, vielleicht drei, aber vielleicht auch fünfzehn bis endlich eine Änderung möglich sein wird, bis ich endlich diesen einen Tag irgendwo abseits der Weihnachtsbesinnlichkeit mit einem guten Buch an einem sonnigen, weißen Strand verbringen kann.

In diesem Sinne, wünsche ich jedem das Weihnachtsfest, das er verdient!

Signatur

Vermeintliche Rechtschreibfehler sind ein Vorgriff auf kommende Rechtschreibreformen und deren Widerruf!

03 Dezember 2005

Val McDermid - Tödliche Worte

Diesmal haben Carol Jordan und Tony Hill gleich zwei Fälle nebeneinander zu bearbeiten: zwei kleine Buben sind verschwunden und ein irrer Mörder treibt sein Massaker in der Prostituiertenszene von Bradfield. Die Morde gleichen genau denen von Derek Tyler, der sitzt allerdings seit zwei Jahren in der Psychiatrie und spricht kein Wort.

Das ist der vierte Band, in denen Carol Jordan und Tony Hill zusammenarbeiten, und gemeinsam dem Bösen gegenüberstehen. Auch in diesem Band arbeitet Jordan mit viel Gespür und intuitiv, obwohl sie nur langsam in Fahrt kommt, sie ist immer noch gezeichnet von der schrecklichen Vergewaltigung, der sie bei einer Undercoveraktion, bei der sie von ihren Vorgesetzten nicht geschützt wurde, ausgesetzt war. Auch in diesem Band kommen sich die beiden nicht wirklich näher, obwohl sich beide über die Gefühle für einander im klaren sind.

In meinen Augen ist "Das Lied der Sirenen" der beste aus dieser Serie, gefolgt von "Tödliche Worte". Wobei mir relativ bald klar war, welcher Zusammenhang besteht und wer der Haupttäter sein muss.

Vorherige Thriller mit diesem Team:

- Das Lied der Sirenen
- Schlussblende
- Ein kalter Strom

Von Val McDermid auf jeden Fall auch zu emfpehlen ist ein "Ort für die Ewigkeit": Kurz vor Dienstschluss nimmt der neue Inspektor George Bennett eine Vermisstenanzeige auf. Ein 13jähriges Mädchen ist verschwunden. Es stellt sich heraus, dass das Mädchen von ihrem Stiefvater vergewaltigt und ermordet wurde. Jedoch findet sich nie eine Leiche. Der Stiefvater wird, obwohl er immer seine Unschuld beteuert, zum Tode verurteilt.

35 Jahre später möchte eine Journalistin ein Buch über diesen Mord schreiben. Inspektor Bennett unterstützt sie dabei, hilft ihr bei den Nachforschungen. Doch da kommen ihm Zweifel, ob der richtige verurteilt wurde.

27 November 2005

christopher moore - der kleine dämonenberater

köstlich, witzig, erfrischend, steht der "Bibel nach Biff" um nichts nach!

Zu Beginn des 20.sten Jahrhunderts hat Travis aus versehen den Dämon Catch befreit, seither ist dieser sein ständiger Begleiter: Catch hat jedoch einen großen, lästigen Nachteil: er ernährt sich von Fleisch - von Menschenfleisch. Travis ist daher sehr bemüht, diesen lästigen Dämonen wieder los zu werden. Daher begiebt er sich eine Reise durch den Süden Amerikas, um endlich die Möglichkeit zu finden, den Dämon wieder verschwinden zu lassen.

Das war sicher nicht mein letztes Buch von Christopher Moore!

22 November 2005

Arnaldur Indriðason - Gletschergrab

Originaltitel: Napóleonsskjölin (nur weil er für mich so schön unaussprechlich ist)

Am Ende des zweiten Weltkrieges stürzt ein Nazi-Flugzeug, das in der Farbe der Alliierten getarnt war, auf dem Gletscher Vatnajökull ab. Die Suche der amerikanischen Suchmanschaft nach dem Flugzeug blieb erfolglos.

Im Jahre 1999, während eines milden Winters, tauchen Teile des Flugzeuges aus dem Schnee wieder auf. Mitarbeiter des amerikanischen Geheimdienstes machen sich auf den Weg um das Flugzeug zu bergen, denn es birgt ein Geheimnis, das unbedingt gewahrt werden muss.

Doch leider kommen dieser Expedition Elias und seine Schwester Kristin in die Quere. Sie entgehen nur knapp einem Anschlag. Sie kommt der "Operation Napoleon" auf die Spur und dieses wenige Wissen führt dazu, dass Auftragskiller auf sie angesetzt werden.

Karin Fossum - dunkler Schlaf

Andreas und sein Freund Zipp wollen bei einer ca 60jährigen, Irma, einbrechen, ein bisschen Geld für einen heiteren Abend stehlen. Zipp wartet vor der Türe, aber Andreas taucht nicht mehr auf, woraufhin Zipp glaubt, dass sein Freund wahrscheinlich schon nach Hause gegangen ist.
Aber Andreas bleibt verschwunden. Seine Mutter schaltet die Polizei ein, Kommissar Konrad Sejer und sein Partner Skarre übernehmen die Angelegenheit.
Die Zeit wird knapp und Zipp schweigt.

Das Ende lässt in meinen Augen zu wünschen übrig, es fehlt die Erklärung, warum Irma durchgedreht ist und Andreas gefangen hält. Auf den letzten Seiten wird angedeutet, dass ihr Sohn Ingemar den verschwundenen Vater auf dem Gewissen hat, auch hier, einfach in den Raum gestellt.

12 November 2005

Gedanken zu "Schande" von Coetzee

David Lurie: ist ein Frauenheld, der sich an eine viel jüngere Studentin heranmacht. Diese ist passiv und willenlos, lässt sich von Lurie überrumpeln. Er geht plump vor und lässt nicht locker. Seine Anmache ist aufdringlich. Sie zeigt keinerlei Interessen an seinen Avancen, aber dennoch schläft sie mit ihm.
Für mich stellt sich die Frage, wie weit er sich zurückhalten hätte müssen, bzw. wie weit ist der Vorwurf des Missbrauchs wirklich gerechtfertigt.
Am Schluss des Buches ist er soweit sich von einem Hund zu trennen, der im Tierasyl auf den Tod wartet. Mit dieser Textstelle kann ich eigentlich nicht wirklich viel anfangen, am ehesten bedeutet es für mich, dass er, ähnlich wie seine Tochter mit der Geschichte des Landes frieden geschlossen hat.

Lucy: Die Tochter von David lebt auf der Farm, versucht mit dem Verkauf von Blumen und Gemüse und mit der Hundepension ihr Land zu erhalten. Bereitwillig nimmt sie ihren Vater auf.
Zu Spannungen kommt es erst nach dem Überfall: sie beide verfolgen unterschiedliche Ziele.
Sie hat die Dynamic der Nach-Apartheid akzeptiert, sie hat erkannt, dass sie auf ihrem Gleckenerde nur dann bleiben kann, wenn sie das Geschehene ohne Widerstand akzeptiert. Das ist auch der Grund, warum sie in die Ehe mit Pollux, dem Nachbarn, einwilligt.
Für mich ist diese Akzeptanz der Opferrolle nur schwer verständlich. Mir fällt es wesentlich leichter, die Absichten von David zu verstehen.

Pollux: ist ein schwarzer Südafrikaner, der ursprünglich ein unterbezahlter Arbeiter auf Lucys Farm war. Sie hat ihm einen Teil des Landes überschrieben. Das dürfte auch der Grund für den Überfall gewesen sein, denn wie es der Zufall wollte, waren er und seine Familie genau zur Zeit des Überfalls nicht in der Gegend. Einer der Täter ist bei einem Fest von Pollux aufgetaucht, es zeigte sich, dass er ein Verwandter ist.

zum Buch: Eigentlich hat mir das Buch nicht so schlecht gefallen, obwohl es den Lobpreisungen nicht gerecht wird. Die Sprache ist einfach, der Text nicht kompliziert. Es streift die Themen: Missbrauch, Vergewaltigung und die Geschichte Südafrikas in Form der Nachapartheid.
Ich war überrascht, dass das Buch den Bookerpreis 1999 bekommen hat bzw. dass Coetzee den Nobelpreis für Literatur 2003 verliehen bekommen hat.

John Maxwell Coetzee - Schande

Inhalt:
Der ältliche, geschiedene Literaturprofessor David Lurie lässt sich auf eine Affäre mit einer Studentin ein. Dieses Fehltritt kommt an die Öffentlichkeit und kostet den Professor seine Stelle an der Universität, vor allem auch deswegen, weil er sich der Befragung durch ein Untersuchungskomitee, trotz seines Schuldbekenntnisses, nicht stellt und zu keinerlei Kompromissen bereit ist.
Um Abstand zu gewinnen, verlässt er Kapstadt und besucht seine Tochter Lucy, die in der Provinz Ost-Kap einekleine Farm bewirtschaftet. David hilft ihr und beitet seine Unterstützung auch Bev Shaw, die ein Tierasyl und eine einfache tierärztliche Praxis leitet, an.
Alles scheint wieder in Ordnung zu kommen, als Lucie und David Opfer eines brutalen Überfalls werden: sie kommen mit dem Leben davon: David hat leichte Brandverletzungen, Lucie jedoch leidet an den Folgen der mehrfachen Vergewaltigung.
David vergeht fast vor Sorge um seine Tochter, will Rache, will die Täter verhafen, will, dass seine Tochter diesen unsicheren Ort verlässt. Lucie zieht sich immer weiter in sich zurück, will ihre "Heimat" nicht verlassen. Sie bringt zwar den Überfall jedoch nicht die Vergewaltigung zur Anzeige. Sie will diese Schande nicht öffentlich machenm, sie hat Angst, dies könnte eine Art "Einladung" zu weiteren Verbrechen darstellen.
Aufgrund dieser unterschiedlichen Einstellungen kommt es fast zum Bruch zwischen den beiden, vor allem, als einer der Täter beim Nachbarn einzieht und sich als dessen Verwandter entpuppt.
David geht zurück nach Kapstadt. Er entschuldigt sich bei den Eltern der Studentin, mit der er eine Affäre hatte und beginnt an einer Oper über Byron zu schreiben.
Jedoch bleibt er in telefonischem Kontakt mit seiner Tochter. Als sie während dieser Anrufe immer distanzierter und seltsamer klingt, fährt er wieder zurück auf's Land. Er stellt fest, dass sie von einem der Vergewaltiger ein Kind erwartet. Lucy will dieses Kind bekommen, ihm eine gute Mutter sein. Der afrikanische Nachbar, der schon zwei Frauen hat, hat Lucie einen Antrag gemacht: Er würde sie zur Frau nehmen, das Land wäre ihre Mitgift, sie stünde dann unter seinem Schutz, sie wäre nie mehr ein Opfer.
Zu Davids Unverständnis nimmt Lucy den Antrag an, unter der Bedingung, dass sie in ihrem Haus wohnen bleibt.
Aus Sorge um Lucy nimmt er sich ein Zimmer in der nächsten Siedlung. Er arbeitet wieder bei Bev. Shaw.
Langsam schließt Lucy Frieden mit dem Unrecht, das ihr widerfahren ist und blickt wieder in die Zukunft. Auch David sieht seinen Aufgaben als Großvater positiver entgegen.

07 November 2005

Marlen Haushofer - die Wand

Inhalt:
Die Ich-Erzählerin ist zu einem Wochenendausflug auf eine Berghütte eingeladen. Gleich nach der Ankunft dort, fahren ihre Kusine und ihr Mann noch ins Dorf. Als sie spät am Abend noch nicht zurück sind, geht die Ich-Erzählerin schlafen. Am nächsten Morgen sind sie immer noch nicht zrücl, nur Luchs der Jagdhund, taucht komplett verstört auf. Sie denkt sofort an einen Unfall und macht sich in Richtung Dorf auf. Luchst läuft voraus. Plötzlich kommt er mit blutender Schnautez zurücl. Die Ich-ERzählerin ist hinter einer unsichtbaren Wand eingeschlossen.
Jegliches Leben ausserhalb der Wand ist ausgelöscht, in ihrem Tun wie versteinert.
In einem rückblickenden Bericht erzählt die Ich-Erzählerin von ihrem harten, einsamen Überlebenskampf, der nun begann: sie muss hart arbeiten: Holzhacken, Kartoffel und Bohnen setzen und später ernten, Beeren sammeln. Es ist ein einsames und karges Leben, jedoch übernmmt sie die Verantwortung für den Hund, Katzen, eine Kuh und später auch einen kleinen Stier. Den Bericht schreibt sie, um nicht verrückt zu werden. Am Ende, nach dem Tod des Hundes und des Stieres, geht ihr das Papier aus und der Bericht endet.

Kritik:
Marlen Haushofer ist 1920 in Österreich geboren. "Die Wand" entstand 1963 - einige Jahre bevor ich geboren wurde. Für mich ist das Entstehungsdatum insofern wichtig, weil ich denke, dass es erklärt, warum die Ich-Erzählerin, die Einsamkeit wählt und nicht spektakulär, dem Ende des 21. Jahrhunderts entsprechend, sich einen Weg durch die Wand bahnt. Für mich ist es unverständlich, warum sie dieses einsame harte, arbeitsreiche Leben einem Ausbruch und der Plünderung von Kaufhäusern vorzieht.
Das Lesen dieses "Gefangenseins", ist mir fast körperlich unangenehm, ich habe mehrmals überlegt, ob ich überhaupt weiterlesen kann. Aber dennoch hat das Buch nicht gehalten, was es versprach, trotz vieler Preise! (aber vielleicht bin ich nur eine Banause, die das Wesentliche nicht verstanden hat).

02 November 2005

John Irving - Witwe für ein Jahr

Für alle, die das Buch schon gelesen haben (-;

Im Sommer 1958 hat die 39 jährige Marion, die den Unfalltod ihrer beiden Söhne nie überwunden hat mit dem damals 16 jährigen Eddie, der von Ted, Marions Mann, zu diesem Zwecke und als Schrifstellerassistent über den Sommer eingestellt wurde, eine Affäre. Eddie verliebt sich in die viel ältere Frau und hat von diesem Moment an auch nur Augen für ältere Frauen.
Marion glaubt, ihrer Tochter Ruth aus Angst sie auch zu verlieren, keine gute Mutter sein zu können und um den Seitensprüngen Teds zu entrinnen, verlässt sie nach diesem Sommer die Tochter und ihren Mann und verschwindet spurlos.
Ruth hofft ein Leben lang, dass sie eines Tages wieder auftauchen wird.
Eddie wird ein mäßig guter Schriftsteller und verarbeitet in jedem seiner Bücher die Liebe zu Marion bzw. die Liebe zu einer älteren Frau. Auch Ruth wird Schriftstellerin, allerdings mit mehr Erfolg als Eddie: aber auch ihre Bücher sind durch ihre Erfahrungen geprägt, auch wenn sie sich das nicht eingestehen will.
Mehr als 30 Jhare später treffen Eddie und Ruth während einer Lesung Ruths wieder aufeinander. Ihm gelingt es ihr "falsches" Mutterbild etwas gerade zu rücken. Eddie und Ruth bleiben Freunde - verbunden durch den Wunsch Marion wieder zu sehen.
Im Zuge der Präsentation eines Buches fliegt Ruth nach Europa, auch nach Amsterdam. Hier kommen ihr Ideen für ein neues Buch und sie beginnt im Rotlichtbezirk zu recherchieren. Sie trifft mehrmals auf eine Prostituierte, die ihr mehr oder weniger bereitwillig Auskunft gibt. Während eines dieser Gespräche taucht ein Freier auf und Ruth wird hinter dem Vorhang versteckt. Aus dieser Position ist sie gezwungen den Mord an der Prostituierten zu beobachten. Unbekannterweise schickt sie eine genaue Beschreibung des Äußeren und einiger Eigenheiten des Täters an Sergeant Harry. Aufgrund der Täterbeschreibug wird der Täter wenig später gefasst. Ruth stark bewegt von diesem Erlebnis fliegt nach Amerika zurück und heiratet ihren Lektor.
Erst als Ruth Mutter geworden ist, und sie nach nur wenigen Jahren Ehe zur Witwe wird, kann sie ihrer Mutter verzeihen und sie verstehen.
Eddie hat in ihrem Kummer Marion wieder erkannt und glabut sich in Ruth verliebt zu haben. ; er hat aber nicht den Mut seine Gefühle zu gestehen.
Erst 1 Jahr nach dem Tode des Lektors bringt sie ihr nächstes Buch heraus, für das ihr in Amsterdam die Idee gekommen ist.
Während der Promotiontour kommt sie auch wieder nach Amsterdam, dort trifft sie auf Sergeant Harry, der, obwohl der Mord schon längst aufgeklärt ist, nie aufgehört hat, "seine" Zeugin zu suchen.
Sie verlieben sich in einander und heiraten. Eddie erkennt, dass es nicht Ruth war, in die er sich verliebt hat, sondern die Züge des Schmerzes, die ihn an Marion erinnerten.
Als Marion erfährt, dass das Haus, in dem sie iher Affäre mit Eddie gehabt hat, zum Verkauf steht, kommt sie zurück um mit Eddie ihren Lebensabend zu verbringen und sich Ruth und ihrer Familie zu stellen.

01 November 2005

Zitat: John Irving - Witwe für ein Jahr

Seite: 660/Diogenes:

In jeder Ehe gibt es fest verteilte Aufgaben; es gibt immer einen, der mehr oder minder dafür verantwortlich ist, den Mülleinmer auszuleeren, und einen, der dafür zu sorgen hat. dass immer Kaffeee oder Milch oder Zahnpasta oder Toilettenpapier im Haus ist.

25 Oktober 2005

Die Zwillinge von Tessa de Loo

Die beiden Zwillingsschwestern Anna und Lotte werden nach dem Tod des Vaters getrennt: Lotte kommt zu Verwandten nach Holland, wo sie geborgen mit ihren Stiefgeschwistern aufwächst. Anna bleibt bei Verwandten in Deutschland, wo sie am Hof des Onkels und seiner Frau als billige Arbeitskraft schuften muss.
Durch Zufall treffen die beiden Schwestern 70 Jahre später bei einem Kuraufenthaltin Belgien wieder zusammen. Lotte ist sehr distanziert, lehnt Anna, die Deutsche ab.
Anna erzählt ihre Geschichte am Hof vor dem Krieg, im Kloster, wo sie zur Ausbildung lebt, als Hausangestellte, vor und während des Krieges.
Auch Lotte verscuht ihren Teil ihrer Geschichte beizutragen, kommt aber neben "der Deutschen" zu kurz.
Lotte wirft Anna vor Mitschuld am Krieg, am Hunger und am Tod vieler Millionen Juden zu haben. Anna bettelt nahzu um Verständnis und Befreiung von der Kollektivschuld. Lotte will jedoch mehr Distanz.

Das Buch endet mit dem unerwarteten Tod der unerschütterlichen Anna während des Kuraufenthalts und Lottes öffentlichem Bekenntnis, dass Anna ihre Schwester war.

19 Oktober 2005

Zitat:

aus "Die Zwillinge" von Tessa de Loo

btb, Seite 179:


"Ein Buch, das nicht gelesen wird, existiert nicht."

11 Oktober 2005

Luisi's Geheimnis

Eigentlich begann der Abend ganz normal. Er war wie alle Abende zu dieser Jahreszeit. Der Wind blies um die Häuser, er riss Blätter von den Bäumen und jagte sie vor sich her. Die alten Fensterläden des Hauses knarzten und quietschten durch die Last des Windes. Kamin brasselte gleichmäßig das Feuer vor sich hin. Alles war ruhig, die Kinder schliefen in ihren Betten. Nur leise hörte man das Rauschen und Pfeifen des Windes. Aus dem Radio rieselte leise Musik. Eine Kerze flackerte am kleinen Tischchen vor dem Sofa.
Plötzlich war das Knarren der Holzdielen zu hören, es klang fast so, als würde sich jemand im oberen Stock durch den langen dunklen Gang vorsichtig entlang schleichen. Durch das Babyphon war das gleichmäßige Atmen der schlafenden Kinder zu hören.
Das Jaulen des Windes wurde lauter, es war schon spät, alles war wieder ruhig im obere Stock des abgelegenen Hauses.
Ich nahm die Kerze und machte eine letzte Runde durch das stille Haus, alle Fenster waren geschlossen und die Tür versperrt, es war Zeitauch ins Bett zu gehen. Ich stieg die steile Treppe nach oben, ging an den Kinderzimmern vorbei. Drinnen war alles ganz still, nur das regelmäßige Atmen war zu hören.
Und da, ganz plötzlich, fiel mein Blick auf etwas weisses und glänzendes, es lag direkt vor meiner Schlafzimmertüre: ich bückte mich und hob es auf: es war eine Nachricht auf einem weißen Zettel, es stand in blauen, krakeligen Buchstaben:

Zahlreiche Fragen schossen mir durch den Kopf: Für wen war diese Nachricht?, Wer war Luisi? Wer war der Verfasser dieses Zettels?
Ich fand keine Antwort auf meine Fragen. Jedoch ließ mich der Gedanke nicht los, dass ich einem Geheimnis auf der Spur sein könnte.
Zögernd ging ich ins Bett. Hineingekuschelt in meine Decken betrachtete ich die Nachricht von allen Seiten, hielt sie gegen den Schein der Kerze, hielt sich auch darüber, in der Hoffnung unsichtbare Schriftzeichen wieder aufscheinen zu lassen. Aber da war nichts.
Ich legte die Nachricht auf mein Nachtkästchen neben das Bett und blies die Kerze aus. Noch während ich über zahlreiche Antworten nachdachte, schlief ich ein. Vielleicht kam ich ja in meinen Träumen dem Rätsel auf die Spur.

Ich träumte wirres Zeug von Schneemenschen, Bergfexen, Wichteln und zahlreichem Getier, das hier in den Bergen wohnen soll. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, fühlte ich mich schlapp und müde. Aber dennoch war ich dem Geheimnis keinen Schritt näher als am Vorabend.